Niemals gieße ich dich.
Nicht mit Worten,
nicht mit Aufmerksamkeit.
Und doch
erblühst du mir
vielblättrig
unter den Schattenranken der Nacht.
Du, Melancholie,
bist wohl das einzige
Nachtschattengewächs
das heimlich
mein Gießverhalten überlebt
Niemals gieße ich dich.
Nicht mit Worten,
nicht mit Aufmerksamkeit.
Und doch
erblühst du mir
vielblättrig
unter den Schattenranken der Nacht.
Du, Melancholie,
bist wohl das einzige
Nachtschattengewächs
das heimlich
mein Gießverhalten überlebt
Ich lege meine Hände
Auf den Pulsschlag deines Lebens
Fiebrig ist er
Tagelang
hast du dir
die Augen ausgeweint
Und deine tropfnasse Seele
Zum trocknen
Über die Heizung gelegt
Bis an die Ohren
decke ich dich zu
Mit warmen Worten.
Leicht und fedrig Sind sie,
ich stecke sie um dich fest
Unter meinen Worten
Träumst du jetzt
Wie uns das Herz
nach Träumen dürstete, früher
So tranken wir
duftverströmende Träume
aus altmodischen Teetassen
Vielsagende Zeilen, die aufstiegen,
Schlürften wir gleich oben ab
Wissend traf sich unser Blick
über dem Teedampf –
Seine Wärme gebar uns
flüssige Sätze des Lebens
Wir fesselten sie ans Papier,
Die Sätze vom Boden der Tasse
Drängen sie sich noch
durch deine Gedanken?
Entfesselst du unsere Papierträume
mit Händen –
Oder ertränkst du sie heute
im Nichts?
Ertrinkender Träume
Schreie
In den teilnahmslosen Fluten
des Nichts
erträgt man heute sorglos
Liebe Freunde,
hier folgt der zweite und letzte Veranstaltungshinweis in diesem Jahr… mit dem Theater Südsehen veranstalten wir dieses Jahr zum ersten Mal eine Reihe von Lesungen im Valentinsgeburtshaus in der Zeppelinstraße 41 in München.
Die Idee war, unter anderem Blogger aus dem virtuellen Raum in den dreidimensionalen des Valentinshauses zum lesen einzuladen…
Am 09.12. gibt es poetische, humorvolle Kurzgeschichten, gelesen von Mitzi Irsaj.
Sobald ihr Mitzis Texte kennt, werdet ihr danach München lieben. Ihr werdet München so sehr lieben, dass ihr unbedingt gerade dann U-Bahn fahren wollt, wenn mal wieder alle Anzeigetafeln der MVG „Störung“ anzeigen. Grantige U-Bahnfahrer werden sich vor Heiratsanträgen kaum zu retten wissen. Die Tourismusbranche des münchener Viertels Giesing wird enorm aufblühen und Touristen werden sich dort zahlreich um die Bushaltestellen scharen und winterliche Sonnenaufgänge betrachten. Sie werden nachts Straßenbahn fahren, an wildfremde Fenster klopfen, Weingläser schnorren um dann dem Atem der Stadt zu lauschen und am nächsten morgen dann vielleicht Frau Obst kennenlernen wollen oder Herrn Meier mit den Walnüssen… oder noch besser Paul – den Paul mit dem Rhett-Butler-Lächeln. Die Bewohner einer gewissen Hausgemeinschaft sähen sich mit seltsamen Anfragen konfrontiert – ob man denn ihren Balkon vielleicht stundenweise mieten könne? Diese Touristen! Kopfschüttelnd, in stiller Übereinkunft wird man sich an die Stirn tippen, über die Zuagroasten und dann zur Tagesordnung übergehen. Kommt vorbei am 09.12. – wenn ihr nicht könnt, lest unbedingt ihre Kurzgeschichten.
Am 17.12. dann, ein richtiger Lyrik-Abend. mit Hannah Buchholz und mir.
In das Unaussprechliche zwischen den Zeilen bis auf den Wortgrund hinabtauchen – dort werdet ihr die Worte von Hannah in großer Klarheit leuchten sehen. Ihr werdet den Klang der Bläue tintengereifter Lyrik aus bauchigen Weingläsern trinken können und euch die Essenz der Worte ins Ohr perlen lassen. Hannah ist eine Vollblut-Lyrikerin, davon könnt ihr euch gern auf ihrer Seite überzeugen – ihre Gedichte gibt es auch schon vielfach auf Papier gedruckt. In Eigenwerbung bin ich dann doch eher schlecht – auf meiner Seite seid ihr schon, da dürft ihr euch umschauen für ein eigenes Bild; hier Unveröffentlichtes wird es auch zu hören geben.
der Eintritt ist frei!!!
(so das wars jetzt mit Veranstaltungen. In Zukunft veröffentliche ich hier wieder Lyrik, versprochen!)
Liebste Grüße,
Simone
sieh, Sommer
jetzt atmest du aus
durchbrach noch eben
deinen Himmel der Mohn,
die Kornblumen
umwuchs deines Zenites Herzschlag
ihr Rot,
ihr Blau
durchkämmte nicht
der aufkommende Südwind noch
das Weizengrün seidener Felder
dem kurzatmigen Grün des Weizen
nahm deine Sonne den Atem
ganz
Sag mir, Südwind, wohin?
wohin entschläft dir das Rot des Mohns
In deiner Stille weht der Tod
auch das Blau aus und
frisst sich satt am Grün
lau ist dein Trost und trocken
und leis,
Südwind
im Knistern sterbender Halme
das Reifen
kommt nicht aus
ohne des Wachstums Tod
Wie mächtig
ist deiner Seele Brandung
kopflos stürze ich
in die erstbeste Welle deiner Sprache
durchtauche sie,
deiner Sprache Schönheit
entlang zweier Herzschläge
und dem Seetang deiner Silben
tauche ich ihrer Tiefe
auf den Grund
deiner kräuselnden Worte Sog
erfasst mich mit Haut und Haar
als der Mond in die Fluten fällt
tragen sie ihn auf Schwimmhäuten an Land,
deine Worte
ihn und das Silber
ich weiß nicht mehr – ist es noch
mein Herzschlag oder
deine Brandung gegen mein Herz
ja, brande nur fort
dein hoher Seegang
macht mir keine Angst
An den Ort
an dem Sprache und Sinn
Hochzeit halten
sehne ich mich
seit Urgedenken
er muss heilig sein
In eurer Besinnungslosigkeit,
Worte,
komme ich zu euch
Durch den Gedankentrichter gespült
strandeten wir
am Ufer der Nacht
die zu kurz für uns war
(schon damals)
Die Nacht rauschte mit ihren Sternen durch die Pappeln
dicht heran
an das Ohr der Zukunft
Wir bissen in die Schaumkronen
versunkener Dichter und Philosophen
glühend waren unsere Gedanken,
sie brannten sich Löcher in unsere Worte
die Schallmauer durchbrachen sie längst
als die Nacht endlich
über die Ufer trat,
ausuferte
in die Dämmerung
In der wir Freundschaft buchstabierten
auf platonisch
als sei das
eine neue Sprache
Barfuß
durchschreitest du mein Herz
mit dem Wind im Rücken und
der Sonne unterm Arm
meiner Seele Tiefen und Untiefen
küsstest du die sandigen Worte von der Stirn
Auch Pfützen haben das Vermächtnis
die Sonne zu spiegeln, sagst du, Sommer
sagst es in das trübe Blau
einer meiner spiegellosen Stunden hinein
mein Herz, es wuchs über das Moos
wuchs über das Moos des Waldes hinaus
wuchs dir entgegen
entwuchs mir aus dem Mund
und dem Gestrüpp der Stille
die jetzt auch barfuß geht