…Hörbarer Adventskalender…

Hallo ihr lieben, die ihr durch das Adventsgestöber der virtuellen Blogstraßen täglich oder nächtlich streift…!

Wer an diesem Schaufenster stehen bleibt, könnte heute schon das erste Türchen eines hörbaren Adventskalenders öffnen..😊

Mit dem Theater Südsehen veranstalten wir normalerweise ab Ende Oktober, durch den November und den ganzen Advent verschiedenste Lesungen im Geburtshaus von Karl Valentin… (in der Zeppelinstraße in München)

Aus der Leserpost ging hervor, dass einige unserer Stammgäste die Lesereihe wirklich vermissen. Daher die Überlegung eines kleinen Trostpflasters: der Adventskalender – jeden Tag ein bisschen Südsehen Ensemble zum anhören –

Mit den Stimmen von Ulrike Dostal, Robert Ludewig, Mitzi Irsaj, Thomas Trüschler, Marie Louise Kitzmüller, Sonja Reichelt, Ruben Hagspiel, Gabi Hartisch, Petra Winklbauer, Daniel Lambach und Simone Lucia Birkner.

Zwei Texte von mir gibt es hinter den Türchen. Das – ach ja, „mal-eben-schnell-einen-Text-einsprechen“ uferte zum mehrstündigen Desaster aus. Bis ich dann DIE EINE Aufnahme hatte, auf der keine Katze miaut, keine Hausschuhe auf dem Boden knarren, niemand anruft und mein Magen nicht laut vernehmlich dazwischen knurrt… ja. Da muss man schon froh sein wenn man die bekommt… so froh, dass man über das Luxusproblem der perfekten Satzgestaltung nicht mehr nachdenken darf, sonst müsste man wieder von vorn anfangen.😉

Freue mich wenn jemand hören kommt! – hier entlang

Andventliche Grüße,

Eure Simone Lucia

Das Präfix-Spiel/ oder: coronare Schnürung der Wirklichkeit 

 

kleine Abschnürungen

tropfen 

geruchlos

ins Wirkungsleere

 

Die Schnürung 

der Wirklichkeit

hat längst 

begonnen

 

Als erstes

schnüren wir

den Gedanken 

ein

enges Korsett

 

Zu eng 

geschnürte Gedanken –

mit welchem Herz

ihren Schmerz 

ertragen?

 

So einfach

lassen wir uns 

abschnüren 

von der Wirklichkeit 

 

ja so einfach 

die ungeschnürte Zukunft 

in Gedanken 

schon fest 

verschnürt 

 

all die zerschnürten 

Herzen –

unverträgliche Gedanken 

hat man ihnen 

aufgeschnürt: 

angeschnürte Gedanken 

 

mit welchem Herzen 

jetzt 

die Zukunft 

entschnüren 

 

in Gedankenenge 

kann niemand atmen 

 

zu eng 

umschnürte Gedanken – 

Einschnürungen im Herzen 

aus engen Gedanken 

oder

abgeschnürte Gedanken 

eingeschnürt 

in engen Herzen 

 

unerträglich 

 

eingeschnürte 

Schneewittchenwirklichkeiten 

unter Glas 

 

wirkungsgeleert 

die Herzen 

 

ausgetrunken 

die Herzkranzgefäße, 

alle

 

geleert in einem Zug

 

bis 

kein wahrer

Gedanke mehr

in seiner

Wirkung

 

hinunter

zur

Erde

 

tropft.

 

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Aus einer gemeinsamen kreativ-Session mit dem Maler Fabian Amend.

Ein Spiel mit dem Wort „schnüren“ und verschiedenen Präfixen. Ich finde Präfixe sind wie das Anschneiden beim Tischtennis – das Wort bekommt einen bestimmten neuen Spin oder Dreh…

vakuumierte Herzen

*

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Wir trinken

Aus keimfreien Gläsern

und keimfrei halten wir

unseren gläsernen Sarg,

der bereitsteht;

 

schneller schlagen

die vakuumierten Herzen,

durch die dunklen Straßen der Köpfe

zieht wieder ein Phantom

 

wir trinken aus keimfreien Gläsern

schluckweise

verdichtete Angst

 

schneller schlagen

die vakuumierten Herzen,

schneller für

das Heil

eines gläsernen Sargs

 

in den dunklen Straßen der Köpfe

sucht ein Phantom

nach der Abzweigung

 

wir trinken aus keimfreien Gläsern

wir trinken die Angst

ganz aus

 

schneller schlagen

die vakuumierten Herzen,

sie glauben an ein Leben

im gläsernen Sarg

 

in den dunklen Straßen der Köpfe

sucht ein Phantom die Abzweigung

in die Wirklichkeit

 

wir trinken aus keimfreien Gläsern

und keimfrei halten wir

unseren gläsernen Sarg, der bereitsteht;

 

schneller schlagen

die vakuumierten Herzen,

sie tauschen ihr Leben

gegen den gläsernen Sarg

*

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*

…entstanden in einer kreativ-Session mit dem Maler Fabian Amend. Das Thema der „vakuumierten Herzen“ hat für mich gerade Potential für eine ganze Serie.. 😊

Wozu eigentlich gemeinsame kreativ-Sessions? Was hättet ihr für Motive, gemeinsam mit anderen tätig zu sein?

 

Fuge der Verlorenen, in weiß

Die Wolken des Himmels

stockende Milch des Tages

über der Stadt

 

dem Tag stockt der Atem

in Wolken

 

aufgetrieben sind wir

mit ihnen

 

bis an

die Oberfläche

unserer Sätze

 

nichts verrät sie

die Oberfläche, sie

weist uns ab

 

Die Himmel der Tage

stockende Wolken in Milch

über der Stadt

 

auf der Oberfläche unserer Sätze

treiben wir dahin

auf großen Seerosenblättern

 

sie weist uns ab

die Oberfläche

weist uns zurück

 

auf uns selbst

 

Die Wolken des Tages

stockende Himmel in Milch

über der Stadt

 

den Wolken stockt der Tag

im Atem

 

und so bleiben wir

 

Verlorene

 

auf der weiten Oberfläche

unserer Sätze

 

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*

*

entstanden in einer gemeinsamen kreativ-Session mit dem Maler Fabian Amend.

Am Rande des Blau

Am Rande des Blau
fließt das Wasser vorbei
es hält nicht
an
es fließt
immerzu

ob die Stadt
am Rande des Blau
nur ein Scherenschnitt ist
der die Luft
anhält

dem Wasser und dem Blau
ist es gleich

ob die Stadt
hinter ihrem Scherenschnitt
gegen das Blau
rebelliert

dem Wasser und dem Blau
ist es gleich

am Rande des Blau
fließt das Wasser vorbei
es hält nicht
an
es fließt
immerzu

ob es Tote
ins Meer
oder ein Wunder
trägt

dem Wasser und dem Blau
ist es gleich

Eine Stadtnacht (mit Make-up) Teil III

III

Wenn am
Isarufer
die Stadt

die blonde Perücke
wieder abnimmt und

gähnend
dem schmerzenden Morgen
die Stirn kühlt,

wenn der ertrunkene
Abend sanft
angespült

am Ufer
des Gestern liegt,

ist die Nacht
längst
abgeschminkt

ihre falschen Wimpern
kleben noch

auf den warmen Kissen
der Stadt

 

***

*
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*
*

So. Teil III hiermit abgeschlossen. Wer sich traut es im ganzen zu lesen, findet hier: Teil I, Teil II – der Versuch über den Eindruck von einer Stadtnacht in München. Die Idee ist vom 13.03.20 und noch komplett virusfrei – diese Texte sind also ohne Ansteckungsgefahr…😜

Eine Stadtnacht (mit Make-up), Teil II

II
Während
am Isarufer die Stadt
lasziv

ihre Beine
übereinander schlägt und
aus Langeweile

die letzten rosa
Kaugummiwolkenblasen
platzen lässt

während
ein junger Abend
auf dem Brückengeländer
mit dem Freitod droht,

rauscht sie endlich heran:

unvergleichlich jung
und elegant rückenfrei

rauscht die Nacht
von Bar zu Bar –

die Mondsichel im Dekolleté,
nur mit ein paar knappen Stunden
bekleidet –

hinterlässt Sprüche
an den Toilettenspiegeln der Stadt,

unter ihren Absätzen
klebt der Asphalt

 

die Nacht trägt heute
falsche Wimpern

ihren Kuss drückt sie
zwischen die Beats der Stadt

unzählige brennende Lippen
löscht sie
im Rausch

und tief unter den Bässen,
weit unter den Sinnen
der Stadt

schlägt die Nacht
ihre Augen auf

beeindruckend ihr Aufschlag

beeindruckend
sternlos,

die Nacht

*
*
*
*

Die anderen beiden Teile lesen? Hier entlang: Teil I

Teil III

 

Eine Stadtnacht (mit Make-up) Teil I

 

I

lässig

lehnt sie am Isarufer,

die Stadt –

 

blinzelt

der sinkenden Sonne zu…

 

Unter ihrer  blonden Perücke

atmen die Lichter tief ein:

Deutlich zu viel Rouge

auf den hohen

Wangenknochen der Straßen;

 

trotz Kälte, am Isarufer

die Stadt nur

in Nylonstrümpfen und rotweißgestreiften

Baustellenzäunen aus Plastik –

 

der Wind streut in Böen Konfetti

aus parfümierten Gesprächen

über die Gehsteige –

 

an der Brücke

ein junger Abend

mit wirrem Haar;

 

beugt sich

ohne Geduld in den Taschen

 

weit über die Brüstung und

wartet

 

wartet

mit brennenden Lippen

 

wartet

auf den Kuss der Nacht

*

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Hier der Versuch über eine Stadtnacht in drei Teilen – uff, da der Text leider sehr lang geworden ist, kommt er hier so nacheinander in Teilportionen…

Morgen dann Teil II..!

Teil II und Teil III