Auf hoher See

Wie mächtig
ist deiner Seele Brandung

kopflos stürze ich
in die erstbeste Welle deiner Sprache

durchtauche sie,
deiner Sprache Schönheit
entlang zweier Herzschläge
und dem Seetang deiner Silben
tauche ich ihrer Tiefe
auf den Grund

deiner kräuselnden Worte Sog
erfasst mich mit Haut und Haar

als der Mond in die Fluten fällt
tragen sie ihn auf Schwimmhäuten an Land,
deine Worte
ihn und das Silber

ich weiß nicht mehr – ist es noch
mein Herzschlag oder
deine Brandung gegen mein Herz

ja, brande nur fort

dein hoher Seegang
macht mir keine Angst

9 Gedanken zu “Auf hoher See

  1. Wow, schon die ersten beiden Worte finde ich genial und wie faszinierend muss diese Seele sein, die so brandet. – Des Menschen Seele gleicht, weiß Goethe, dem Wasser. – Ja, das kann still und klar wie der See ruhen, es kann Gott sei Dank auch branden.
    Und wie dann auf einmal der Mond eine ganz andere Atmosphäre hereinbringt.
    Und wie dann beide branden . . .
    Ein tolles Gedicht, Simone Lucia, es hat mich ganz einvernommen.
    Viele Grüße!
    Johannes

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Johannes!
      Ganz herzlichen, lieben Dank für diese enorme Würdigung von „Auf hoher See“!
      Ja, diese Seele ist mir ein besonderes Faszinosum.
      Die Tiefe eines anderen kann man ja nicht bemessen, höchstens erahnen – so erschafft man dem anderen durch ihre Erahnung eine Art Freiraum in sich selbst, in welchem ihm alle Möglichkeiten des Werdens vergönnt sind.
      Liebe Grüße,
      Simone Lucia

      Gefällt 1 Person

Magst du deine Gedanken dazu äußern?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s