Nocturne in dunkelblau

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Nur die Nacht ist mir nah,

die einbricht

in meinem Brustraum

*

halte mich, dunkles Blau der Stunden,

randloser Stunden ohne Boden,

in die mein innerer Regen fällt

*

randlose Stunden

mit geschlossenen

Mündern ohne ein Wort

*

keine Nähe unserer Seelen

sagst du,

keine Nähe – es sei denn –

*

die Nacht hält mich

nicht

sie entblößt nur einen Körper – den nackten Mond

*

An der Nacht, die brüchig ist,

halte ich mich, sie bricht ein in meinen Brustraum,

wo ein Ozean brandet, aus Schmerz

*

keine bloße Nähe unserer Seelen

sagst du,

bar jeder Nähe, es sei denn

unsere Körper wären sich auch nah

*

den Schmerz deines Abschiedes

hält mein Brustraum

und das Dunkel des Blau,

darin mein Herz, eine bloße schwimmende Insel

im stürmischen Ozean des Schmerzes,

*

zwischen den Zeilen rette ich es

an die Küste meiner Heimat Wort

*

unter aufgehäuften Zeilen

in der dunkelblauen Nähe der Nacht

blute ich mich ganz aus

*

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(Für Georg)

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Gedanke trifft bald Papier…

IMG_0043Im Herbst dieses Jahres schon wird es soweit sein –
Hundert Gedichte werden den Weg auf Papier gefunden haben.
Zwanzig davon, darf ich aus meinem Fundus beisteuern.
Auf diesen aufgeräumten, bis dahin gut durchsortierten Haufen Papier, zwischen wunderschönen Halbleinen-Buchdeckeln, mit unzähligen, feinsäuberlich ausgewählten, sinnbehafteten schwarzen Buchstaben darin, freue ich mich…
Und kann gar nicht sagen, wie sehr!!!
Wer das „neue-Lyrik-Entdecken“ genauso liebt wie ich, dem kann ich nur empfehlen, die Blogs aller anderen an diesem Buch beteiligten Anthologie-Autoren zu besuchen…
Lest selbst, es lohnt sich.

Druckergeschwärzte Papiergrüße,

Eure Simone Lucia

Träume im Tee

Wie uns das Herz
nach Träumen dürstete, früher

So tranken wir
duftverströmende Träume
aus altmodischen Teetassen

Vielsagende Zeilen, die aufstiegen,
Schlürften wir gleich oben ab

Wissend traf sich unser Blick
über dem Teedampf –
Seine Wärme gebar uns
flüssige Sätze des Lebens

Wir fesselten sie ans Papier,
Die Sätze vom Boden der Tasse

Drängen sie sich noch
durch deine Gedanken?

Entfesselst du unsere Papierträume
mit Händen –

Oder ertränkst du sie heute
im Nichts?

Ertrinkender Träume
Schreie
In den teilnahmslosen Fluten
des Nichts

erträgt man heute sorglos

                                                                           

Sommer II (2016)

sieh, Sommer
jetzt atmest du aus

durchbrach noch eben
deinen Himmel der Mohn,
die Kornblumen

umwuchs deines Zenites Herzschlag
ihr Rot,
ihr Blau

durchkämmte nicht
der aufkommende Südwind noch
das Weizengrün seidener Felder

dem kurzatmigen Grün des Weizen
nahm deine Sonne den Atem
ganz

Sag mir, Südwind, wohin?

wohin entschläft dir das Rot des Mohns

In deiner Stille weht der Tod
auch das Blau aus und
frisst sich satt am Grün

lau ist dein Trost und trocken
und leis,
Südwind
im Knistern sterbender Halme

das Reifen
kommt nicht aus
ohne des Wachstums Tod

Auf hoher See

Wie mächtig
ist deiner Seele Brandung

kopflos stürze ich
in die erstbeste Welle deiner Sprache

durchtauche sie,
deiner Sprache Schönheit
entlang zweier Herzschläge
und dem Seetang deiner Silben
tauche ich ihrer Tiefe
auf den Grund

deiner kräuselnden Worte Sog
erfasst mich mit Haut und Haar

als der Mond in die Fluten fällt
tragen sie ihn auf Schwimmhäuten an Land,
deine Worte
ihn und das Silber

ich weiß nicht mehr – ist es noch
mein Herzschlag oder
deine Brandung gegen mein Herz

ja, brande nur fort

dein hoher Seegang
macht mir keine Angst

Cerny Dul /Ode an eine Freundschaft (Für Deniz)

Durch den Gedankentrichter gespült
strandeten wir
am Ufer der Nacht
die zu kurz für uns war
(schon damals)

Die Nacht rauschte mit ihren Sternen durch die Pappeln
dicht heran
an das Ohr der Zukunft

Wir bissen in die Schaumkronen
versunkener Dichter und Philosophen
glühend waren unsere Gedanken,
sie brannten sich Löcher in unsere Worte

die Schallmauer durchbrachen sie längst
als die Nacht endlich
über die Ufer trat,
ausuferte
in die Dämmerung

In der wir Freundschaft buchstabierten
auf platonisch
als sei das
eine neue Sprache

Sommer (2016)

Barfuß
durchschreitest du mein Herz
mit dem Wind im Rücken und
der Sonne unterm Arm

meiner Seele Tiefen und Untiefen
küsstest du die sandigen Worte von der Stirn

Auch Pfützen haben das Vermächtnis
die Sonne zu spiegeln, sagst du, Sommer

sagst es in das trübe Blau
einer meiner spiegellosen Stunden hinein

mein Herz, es wuchs über das Moos
wuchs über das Moos des Waldes hinaus
wuchs dir entgegen

entwuchs mir aus dem Mund
und dem Gestrüpp der Stille

die jetzt auch barfuß geht