
Poesie
unwegsame Wege
Gehe mitten durch das Gestrüpp,
auch wenn es nicht gangbar scheint.
Wir sind nicht hier, um Erwartungen zu erfüllen.
Wir sind hier um Wege zu gehen, die noch nicht da sind.
Den richtigen Weg erkennst du daran,
dass dort kein Weg sein wird, wenn du ihn nicht gehst.
die drückende Last der Freiheit wird leicht,
sobald man sie schultert.
Ohne Titel
So konfrontativ sein
wie das Herz
wo Schlag um Schlag
Himmel und Erde
aufeinander treffen.
Sprache
Sprache ist, weil die Ideen sind.
Wortbesinnung
Seit langem schon interessiere ich mich für die eigentliche Idee eines Wortes. Für den reinen Begriff. Was ist das, die Idee eines Wortes?
Dorthin will ich gelangen!
Was bleibt übrig, wenn man das Wort aus all seinen emotionalen Hüllen und vormaligen Bedeutungen schält, die wir ihm im täglichen Sprachgebrauch für gewöhnlich als Mäntel umhängen? Findet man dort das reine Wort?
So wandert das Wort verkleidet und ungesehen durch unseren Sprachgebrauch. Was für ein trauriges Dasein!
Lauter kleine Aschenputtelworte, die uns nur noch dazu dienen, uns gegenseitig Emotionswesen hin und her zu schieben. Viel mehr Inhalt als Sympathiebekundungen und Antipathiebekundungen oder etwas auf der Skala dazwischen ist selten, oder etwa nicht?
Das sind bestenfalls besinnungslose Worte.
Bestimmungslos umherirrende Worte, in viel zu großen grauen “gefällt-mir-gefällt-mir-nicht-Mänteln“…
.
Bin dann mal Worte schälen,
bis auf den Kern… 😉
Eingeständnis

Wie weit weg
ich von mir selbst war
sehe ich erst jetzt
wo ich
mich gefunden habe.
Ob sie diesen Fund
denn auch
für immer
behalten dürfen,
fragen die zitternden Hände.
*
*
*
*
Ratschlag an mich selbst
Auf der niemals endenden Suche nach Wahrheit behalte dir immer ein Augenzwinkern in der Tasche
wenn du einen Standpunkt einnimmst, sei dir im Klaren,
dass das Stehenbleiben
nur einen eingeschränkten Blickwinkel bietet.
Allein um die Kehrseite zu sehen, musst du ihn schon wieder verlassen..
Wahrheit lässt sich nicht besitzen.
Misstraue jedem der das von sich behauptet, inklusive dir selbst.
werde erst richtig misstrauisch, wenn du dir deine eigene Meinung nicht gegenüberstellen kannst, als sei sie die Meinung eines Anderen – es kann niemals
die ganze Wahrheit sein.
bleibe niemals stehen oder
wachse wenigstens
über dich hinaus
Auf der blauen Schulter einer Indigonacht
Hallo ihr Lieben…!
Ein schlappes halbes Jahr später ist es soweit –
Das Chagall-Experiment nimmt seinen Lauf… jetzt bin ich so gespannt, ob man denn tatsächlich sogar das Bild erkennen könnte, (als Nicht-Verfasser dieses Textes) aus dessen längerer Betrachtung dieser Text entstanden ist… ???
also ratet fleißig und postet was ihr glaubt gefunden zu haben, einfach in die Kommentare…! 😊🌞 Anschließend werde ich es auflösen und das betreffende Bild unten einfügen. Ich freue mich schon auf eure Ergebnisse…!
jetzt hier der Text:
Auf der blauen Schulter einer Indigonacht
I
Den purpurnen Wein
unserer anschmiegsamen Stunden,
die Stadt trank ihn
ganz aus
in dieser Nacht.
II
Die Stadt trank und trank
und vielleicht
sang die Nachtigall
damals,
perlenbesetzte Strophen
zu unseren blühenden Stunden –
Stunden einer Indigonacht.
III
Die Bläue schlief schon
fest
in den gläsernen Konturen der Stadt
doch dein Haar, dein Gesicht,
dein Duft
aus meiner Erinnerung,
lag über allem
IV
lag in allen Variationen des Blau,
fiel in schimmernden Strähnen
auf die entblößte Schulter
der Indigonacht.
V
Immerzu der Griff
meiner Hand
nach deinem Duft
vergeblich
unter dem blutgetauchten Mond,
der dem Horizont der Hoffnung
entstiegen war
und über das tieferliegende
Blau
unserer verbleibenden Stunden
sprang
VI
Immerzu dein Duft,
dein Gesicht,
anschmiegsame Erinnerung
und doch nicht zu zähmen
die Früchte des Abends
blieben unberührt.
*
*
*
*

Das gesuchte Bild: „Champs de Mars“, 1954-55, man findet es auch unter „ein Pariser Traum“ im Internet. Der Titel ist gleichzeitig der Name eines Parks in Paris. Gerade in dem Moment als ich das Foto gemacht habe, hat meine Pfingstrose Blüten gelassen, das war also kein absichtliches Arrangement…😊
Schreiben, wie Chagall malt?

Liebe Lesenden…!
Letztes Jahr etwa um diese Zeit habe ich mir folgende Frage gestellt:
Kann man Gedichte so schreiben, wie Marc Chagall Bilder malt? Geht das?
Kann man sich überhaupt mit einem komplett anderen Medium – nämlich dem Schreiben – an gemalte Bilder annähern?
So. Jetzt kennt ihr einen der Parameter, den ich mir selbst für einen bestimmten Zeitraum zum Schreiben gesetzt habe – sozusagen die Basisidee, die jedenfalls einer kleinen Serie von Gedichten auf diesem Blog zugrunde liegt. Dabei ging es mir erstmal nicht so sehr darum jetzt exakt die gleichen Motive zu verwenden wie Chagall sondern mehr um die Atmosphäre in seinen Bildern – Mal nur eine Farbe zu verwenden, mal zwei oder bewusst mehre, in der Bildgestaltung absurd zu bleiben oder eben die ewig wiederkehrenden Liebenden.
Die folgenden Texte aus einer Lyrikübung letzten November mit Hannah und Ángel sind mit dieser Idee im Hintergrund entstanden: (die meisten kennen sie schon)
Schon lange will ich daran anschließen, diese Schreiben-wie-Chagall-malt-Idee weiter zu verarbeiten. Eine größere Serie daraus machen.
Mal sehen. Vielleicht finden jetzt doch noch ein paar Fischmonde, Hochzeitspaare oder Hähne im Himmel den Weg ins Gedicht. Oder auch doch keine gleichen Motive!? Jedenfalls werde ich den Versuch machen daran weiter zu arbeiten.
Einstweilen ich jetzt das Gesicht verziehe und mir dabei verlegen die Schläfen festhalte – weil ihr jetzt in meine Parameter eingeweiht seid und mich für die zukünftige Serie jederzeit an meinem eigenen Maßstab bemessen könnt –
kann ich euch solange bis die ersten neuen schriftlichen Ergebnisse da sein werden, noch ein paar Aquarellpinseleien aus letzter Zeit dazwischen schieben (die selbstverständlich nichts mit Chagall zu tun haben!)
und außerdem ein paar Outtakes von den oben genannten Gedichten anbieten. „Sei mein November“ hat zum Beispiel insgesamt 19 Versionen.
Wenn euch also verworfene Textstücke interessieren, dann poste ich ein paar…
Sagt mir nur, ob es euch interessiert.
Liebste Grüße,
Simone Lucia
Leben in frage
Losziehen
die Hosentaschen voll
geschliffener Gedanken
im Gepäck nur
ein paar Flausen und
eine wilde Rose
mit Dornen
einziehen
in die Frage
Heimat finden
im
niemals ankommen
im Inneren
der Frage
sich einrichten:
die Flausen an den Nagel
(nur für den Notfall)
der Rose einen Platz
unter dem Himmel
die Gedanken
nicht aus der Hand geben(!) –
sich einrichten
für ein Leben
in frage