Ein Käfer landet in meinem Notizbuch
von den Worten weiß er nichts
mit seinen flinken Beinchen krabbelt er rasch über den Himmel
weiter über das Grün
über Ecken und Kanten biegt schräg ab auf den
Augenaufschlag kleiner Kinder macht einen Umweg durch
den engen Häuserwald
auf meinem Herzschlag hebt er ab
durchfliegt meinen Atem mit seiner
tausendfach schnelleren Tracheenatmung und
landet auf der leeren Seite nebenan
dass darauf unsere Begegnung einmal geschrieben stehen wird
ahnt er nicht als er zurück in sein Käferleben fliegt um
wenig später aus meinem Wasserglas gerettet zu werden
winziges leben
wie schnell wohl sein Herzschlag ging
Für M., der vor kurzem ging (version 11, 2016)
Während der Frühling
mit erröteten Wangen an die Bäume herantrat
und in die Hände spuckte
da waren es deine Augenlider
die der Herbst deines Blickes wurden,
sie wischten über ihn hinweg
nie verschüttetest du deinen Humor, du
hieltest ihn hoch bis
nur dein Lebendiges scheute plötzlich
vor dir zurück
Du aber lachtest, als deine Beine
keine Treppen mehr steigen konnten
das fandst du ungeheuer komisch
Als die Sonne
unter deinen Wimpern erlosch
stieg sie weit hinauf ins schmerzlose Blau
der Osternacht,
entzündete die honigfarbene Dämmerung
über den Dächern der Stadt,
neigte sie ihre Güte herab und striff
über deiner Kinder Blondschöpfe hinweg
sie winkten dir nachhaus
ohne Titel (2005 oder 06)
Es regnet in Strömen
Draußen kauert ein tropfnasser Hund
am Straßenrand
Ich sehe ihm zu und falte Stunden zu Papierschiffchen
kein Hafen in Sicht
(…Altes von 2007)
Eine handvoll Stunden gleiten mir
lautlos zu Boden –
da rollen sie herum
ganze runde Stunden –
Glasmurmeln aus der Kinderzeit
Fragment (2016)
Sehnsucht –
mein Herz kennt
dein Vakuum
an deiner Hand gehe ich
stückweise
in den Tod
Ich zeige dir mein Kindergesicht
und folge ohne arg bis an
den schmerzensreichen Abgrund –
Neugeburt
tönt er mir warm
der Schritt in die Leere aber
gehört mir allein
aus mir heraus werfe ich
den Boden
der in der Leere trägt
ohne Titel (2014)
Ein ganzer Kornspeicher voller Wünsche
dein Herz
na los
setze sie aus
und sieh ihnen beim wachsen zu
nur vergiss nicht das Augenzwinkern dabei
die kraftvollen
durchbrechen auch Asphalt
Hör hinein (2014)
Hör hinein
In deinen dicken Kokon, dein
Luftdicht abgeschlosses Gewohnheitsdunkel
Etwas
In dir möchte zum Schmetterling werden
Ruf es beim Namen:
Sei
Ohnegleichen
Morgen (2015)
Aus den Süßen Früchten des Traums schält sich
mein Blick, zäh
aus ihren herben Schalen entstieg eben der Morgen
mit strähnigem zartblondem Haar
Er trägt noch den Kuss der Nacht auf den Lippen
taufrisch und kühl
Verweile noch, Morgen
Mit dem kindlichen Gesicht
Verweile noch
Bevor
der Tag dir die blonden Strähnen streng zurück kämmt
Und eifersüchtig
Den Kuss von den Lippen dir tilgt
See
Es ist der schwere Atem der Nacht
der sich ergießt
über die Täler hinweg bis in den Morgen
Sie war es, die dich
zwischen die Hügel ausseufzte, See
tief hinein
in die stehende Kälte ergoss,
deren Stimme fahl ist und rauh
Deine Stimme, Kälte,
Sie ist das Beet der Eisblumen
die darin wachsen rasch und lautlos silberne Farne
Nacht für Nacht
Und der See selbst
als ob er eine Schwärze hineinschweige in die Nacht
eine noch schwärzere Schwärze
Ein dünnes Lächeln strauchelt über deine Lippen
es entfaltet den Flügelschlag der Bienen,
der die Luft [zwischen uns] in Aufruhr bringt
etwas verwirrt läuft es mein Herz geradezu über den Haufen,
worin es noch ein wenig fort summt
bevor
es dahinschmilzt zu sonnigem Wachs
und versehentlich auf dies Blatt Papier tropft
wo es erkaltet, erstarrt, herunterbröckelt
und einen durchscheinenden Fleck hinterlässt
einen lichtdurchlässigen