So viele Falten
schlägt es
mir vor die Augen
dieses
ewig goldene Fernweh –
mein helles bauschendes Kleid
im Sommerwind.
Heute falte ich es
zusammen,
ein Schubladenfernweh,
endlich.
Jetzt
breche ich auf
in die Fremde
in mir.
So viele Falten
schlägt es
mir vor die Augen
dieses
ewig goldene Fernweh –
mein helles bauschendes Kleid
im Sommerwind.
Heute falte ich es
zusammen,
ein Schubladenfernweh,
endlich.
Jetzt
breche ich auf
in die Fremde
in mir.
(Hier wird schon ein wenig mehr verraten…)

Gedichte sind vergleichbar mit Prismen. In ihnen bricht sich die Wirklichkeit – in ganz eigener Färbung scheint sie bereits durch eine Handvoll Silben hindurch. Gleichermaßen sichtbar für den Verstand wie für das Herz wird der so verdichtete Moment zum lesbaren Bild. 100 solcher „Verdichtungen“ versammelt die hochwertig gebundene Anthologie „Herzweise“. Fünf Autorinnen und Autoren der Gegenwart, deren Texten das Gefühlsintensive und Musikalische gemeinsam ist, geben darin einen Einblick in ihr facettenreiches Werk.
Ihre Lyrik haben sie unter anderem in Internetblogs veröffentlicht. Dort lernten sie ihre gegenseitigen Arbeiten kennen, schätzen und inspirierten einander vielfach. So entwickelte sich mit der Zeit ein reger Austausch über poetische Schaffensprozesse, der nun in einem Buch seinen Weg in die Sichtbarkeit findet.
Initiatorin des Projektes ist die Münchner Autorin Hannah Buchholz, die gemeinsam mit dem Lyriker Ángel María Perezáno als Herausgeberin der Anthologie auftritt.
Zu ihnen gesellen sich mit Diana Jahr, Simone Lucia Birkner und Sandra Blume drei weitere Stimmen, die es verstehen, die mannigfaltigen Eindrücke des Lebens mit großer Sensibilität zu einem harmonischen Klangteppich zu verweben. Die vier Dichterinnen und Perezáno gehen zwischen den Buchdeckeln eine poesievolle Verbindung ein, erschaffen mit ihrem je eigenen Akzent eine kraftvolle, von großer Sinnlichkeit getragene Lyrik und lassen den Leser herzweise an ihrem besonderen Blick auf die Welt teilhaben.
Die Anthologie erscheint im Herbst 2017 beim Verlag in der Lindenstraße.
Die Blogs der weiteren Autoren könnt ihr hier finden:
Hannah Buchholz https://hannahbuchholz.wordpress.com/
Ángel Maria Perezáno https://lebensmelodie.wordpress.com/
Sandra Blume https://herzhuepfen.com/
Diana Jahr https://versspruenge.wordpress.com/
Im Herbst dieses Jahres schon wird es soweit sein –
Hundert Gedichte werden den Weg auf Papier gefunden haben.
Zwanzig davon, darf ich aus meinem Fundus beisteuern.
Auf diesen aufgeräumten, bis dahin gut durchsortierten Haufen Papier, zwischen wunderschönen Halbleinen-Buchdeckeln, mit unzähligen, feinsäuberlich ausgewählten, sinnbehafteten schwarzen Buchstaben darin, freue ich mich…
Und kann gar nicht sagen, wie sehr!!!
Wer das „neue-Lyrik-Entdecken“ genauso liebt wie ich, dem kann ich nur empfehlen, die Blogs aller anderen an diesem Buch beteiligten Anthologie-Autoren zu besuchen…
Lest selbst, es lohnt sich.
Druckergeschwärzte Papiergrüße,
Eure Simone Lucia
(Kein Gedicht)
Nimm endlich dein Leben
wieder aus der Konservendose.
Es passt eben nicht hinein!
Du kannst es nicht haltbar machen –
Wenn du es nicht sofort lebst
Verdirbt es sowieso auf der Stelle…
Die reifen Tage
pflücken wir uns
von den Bäumen der Zeit –
für später.
Wenn von den Zweigen
die letzten welkenden Stunden
herabgeweht
aus den Pfützen schimmern,
Wenn die Bäume nurmehr
Krähen tragen
Und ihre Schreie,
Wenn die Sonne längst
gegangen ist
und das Stundenlaub
zusammengekehrt,
betrachten wir sie:
Stumm, unsere schrumpelnden Tage
der Erinnerung –
rotwangig glänzt noch
die Melodie ihres Traumes
Und unvermittelt fragst du
nach dem Frühling.
Stumm zeige ich dir
Die kleinen Kerne unserer Tage –
mitten im Stundenherbst
erkennst du
ihr ewiges Frühlingsversprechen.
***
**
*
**
***
dieser Text läuft mir noch ab der Hälfte nicht ganz rund – seit 2 Tagen bastele ich daran herum und kann mich mit den Versionen nicht zufrieden geben… wer eine konstruktive Anregung hat, bitte heraus damit…😊
Heute schweigst du.
Die Amsel hat zu singen begonnen,
Du schweigst.
Ich falte es auseinander,
dein Schweigen;
Es ist meine Landkarte,
über dem Morgen
und dem Gesang der Vögel
breite ich sie aus.
Die glattgestrichene Landschaft
deines Schweigens
studiere ich,
Während die Amsel
in den Wipfeln meines Herzens
die Sonne ruft.
Viele Straßen führen
durch dein Schweigen –
Doch keine führt heute zu dir.
Damals
War die Zeit
unser süßer Sirup
Über die dampfenden heißen Tage
rann sie
Und zerging
Rann die gestapelten Tage in Frankreich hinab,
die wir gierig verschlangen:
ganze runde Siruppfannkuchen
Zwischen den honigfarbenen Stunden
Platzte der Himmel auf und ergoss
Eine Herde Eisschäfchen
Über die Erde
Die Glyzinie regnete uns ins Gesicht
Zwischen den wehenden Gardinen
im großen Flügelfenster
In dem wir standen
Du und Ich
Mit deinen Augen versuchte ich
Landschaft zu atmen
über uns der Dachvorsprung,
er winkte hunderte Schwalben heran
Rinne nicht mehr, Zeit
rief ich,
Halt an, Sirup
Dann
War es dein Wimpernschlag –
Das Zeichen für die Schwalben, zum Flug –
er war es,
der ihn fortwischte,
den Moment
(Über die Gretchenfrage der Kunst)
Halte dich an die Rose
sie fragt nicht:
lohnt es sich zu blühen?
sie blüht.
Hagel, Sturm und Wetter erträgt sie –
blühend!
*
*
Oder sieh, das Mauerblümchen…
Sein karger Boden –
er dient ihm vor allem
nicht als Ausrede.
Wir treffen uns
mitten im blühenden Gestrüpp
der Sprache
Im Geäst hängt der zaghafte Gesang
gerade flügge gewordener Worte
Heimlich treffen wir uns
hinter den Zeilen
Wo soeben die Stille
ihre Augen aufschlug
In der Stille nur noch
unser atmendes Wort
leise beschlägt es
die fragile Haut
zwischen den Zeilen
Seine Spur, die wir auflesen –
herzwärts
führt sie uns
Tief unter die Worthaut
musst du mir gegangen sein.
Es war vielleicht
der stumme Gesang,
der heute
unter deinen Wimpern träumt…
Zu dir hin taumele ich
durch das Dickicht der Sprache,
in den Zweigen deines Atems
verfängt sich mein Herz –
das Wort,
es schlägt mir bis zum Hals!
Mein Streifzug entlang
der zerbrechlichen Silben,
an deinen Lippen
mündet er
in plötzlichem Wortstillstand.
Silbenflimmern –
Operation am offenen Wort
In meinen zittrigen Händen
halte ich
das bloße, pulsierende Wort –
lebendig ist es und warm
herzwärts
geht
sein kraftvoller Schlag
–
–
–
Erste Variante aus einer Übung – Impromptus über das Herz und das Wort,
– mit Körperlichen Begriffen verarbeitet. Da ich kürzlich ein paar Worte fand, in die ich gerade sehr verliebt bin, werden sie bald mehrfach auftauchen…