Fuge der Verlorenen, in weiß

Die Wolken des Himmels

stockende Milch des Tages

über der Stadt

 

dem Tag stockt der Atem

in Wolken

 

aufgetrieben sind wir

mit ihnen

 

bis an

die Oberfläche

unserer Sätze

 

nichts verrät sie

die Oberfläche, sie

weist uns ab

 

Die Himmel der Tage

stockende Wolken in Milch

über der Stadt

 

auf der Oberfläche unserer Sätze

treiben wir dahin

auf großen Seerosenblättern

 

sie weist uns ab

die Oberfläche

weist uns zurück

 

auf uns selbst

 

Die Wolken des Tages

stockende Himmel in Milch

über der Stadt

 

den Wolken stockt der Tag

im Atem

 

und so bleiben wir

 

Verlorene

 

auf der weiten Oberfläche

unserer Sätze

 

*

*

*

entstanden in einer gemeinsamen kreativ-Session mit dem Maler Fabian Amend.

7 Gedanken zu “Fuge der Verlorenen, in weiß

    • Ja, das ist eine Assoziation.

      Welcher Tätigkeit folgt man beim assoziieren? Was ist das charakteristische der Assoziation? Sie springt vom Betrachtungsobjekt weg, hin zu einem anderen Objekt. Mit ihr findet man nur das Bekannte, das „schon-da-gewesene“, das möglicherweise Verwandte, nicht aber die Sache selbst.
      Wenn du nach dem Unbekannten „noch-nie-dagewesenen“ suchst, bleibe während des Betrachtens bei dem Objekt selbst…

      Herzliche Grüße,
      Simone Lucia

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    • Diese Assoziation ist allerdings sehr naheliegend… 😊
      da auch noch im Titel Fuge vorkommt. Ist tatsächlich nur meiner Unbedachtheit geschuldet – danke für den Hinweis!😊
      Auf der Suche nach „dem Schönen“ hatte ich die der Natur abgelauschte Erkenntnis, das Schöne habe etwas mit rhythmischer Wiederkehr zu tun, so kommt diese Form der Gestaltung zustande und der Titel. Die stockende Milch will nichts weiter sein als eine Metapher auf Schäfchenwolken…
      Herzliche Grüße!

      Gefällt 1 Person

  1. Ist das wirklich unbedacht? Ich denke, dass die Assoziation, wo auch immer sie hinführt, den Resonanzboden eines Gedichts bildet. Du verortest Dich in der lyrischen Tradition und stellst Dich auf die Schulter von Riesen im Namen dessen, was neu wäre. Dieses darüber-hinaus finde ich in Deinem Schreiben und ich finde es großartig. Schreib bald wieder, ich liebe Deine Poesie…

    Gefällt mir

    • Lieber Michael,
      Diese Assoziation will ich dir nicht nehmen…

      Während für dich der Resonanzboden eines Gedichtes in der Assoziation liegt,
      so liegt er für mich in der Betrachtung, die mit der Aufmerksamkeit beim Gegenstand bleibt. Du siehst also, wir haben völlig verschiedene Herangehensweisen…😊
      Aus diesem Grund bedenke ich keine Assoziationen und lege nicht die Absicht hinein, bestimmte zu erzeugen…
      Auf jeden Fall ist es von mir unbedacht und zufällig gewesen, dass dort zwei Worte vorkommen, die den Eindruck erwecken könnten, als wollten sie auf ein anderes Gedicht verweisen, denn wollte ich das absichtlich, würde ich schon zB. mit einem Untertitel darauf hinweisen.

      Was ich hier gestalte ist:
      Die minimale Bewegung und Änderung innerhalb eines Schäfchen-Wolkenbildes, wenn man es länger betrachtet – in den Umstellungen der Worte innerhalb des Bildes, zu zeigen. Es ist das gleiche wiederkehrende Bild, doch ein bisschen Bewegung war da, etwas ist anders. Es drückt ein bisschen was anderes aus. Eine Illusion von Lebendigkeit, Bewegung im toten Gedicht. Das war der Versuch.
      Herzlichen Dank für dein schönes Kompliment!

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